Hoffnungsloser Fall?

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weißes_rauschen
Beiträge: 2
Hoffnungsloser Fall?
Hallo liebe Forengemeinde,

ich muss wahrscheinlich etwas weiter ausholen, um mein derzeitiges Problem zu schildern. Ich zweifle gerade sehr daran, ob ich jemals Chancen auf einen Job haben werde. Was heißt jemals, ich stecke gerade mitten im Masterstudium....

Zunächst habe ich ganz klassisches Studium des Produktdesigns absolviert. Während dessen war ich zwar auch immer etwas realitätsfremd unterwegs (nein, diese und jene Fähigkeiten brauche ich sowieso nicht, also eigne ich sie mir nicht an, z.B. zeichnen), aber im Großen und Ganzen fand ich, dass das Studium das richtige für mich ist. Ein Praktikum habe ich auch absolviert, allerdings lernte ich daraus nur, dass ich wohl besser in einer Agentur als in einem Großkonzern aufgehoben bin. Dort wurde ich weder gefordert noch gefördert, sondern werkelte immer nur an meinem persönlichen Projekt herum. Es ist hauptsächlich meiner damaligen übermäßigen Schüchternheit zuzuschreiben, dass ich nicht versuchte, etwas gegen diesen Umstand zu unternehmen oder mir einfach ein anderes Praktikum suchte.

Nach meinem Bachelor stand dann natürlich die große Frage im Raum: weiterstudieren oder arbeiten. Arbeiten kam für mich eigentlich so gut wie gar nicht in Frage, da ich es mir schlicht und ergreifend nicht zutraute. Also weiterstudieren.

Irgendwie gelang es mir sogar, zum Masterstudium zugelassen zu werden. Im ersten Semester lief auch alles noch gut, und ich konnte meine unzureichenden gestalterischen Kompetenzen ganz gut verdecken, da es hauptsächlich um die Theorie ging. Aber ab dann ging es langsam, aber stetig bergab. Da ich weder zeichnen noch den Modellbau beherrsche, geriet beispielsweise das letzte Projekt in immer größere Schwierigkeiten. Es endete schließlich damit, dass ich mir so gut wie nichts mehr zutraute und das Projekt dann auch tatsächlich scheiterte. Die klassische Self-Fulfilling Prophecy also.

Natürlich liegt mir etwas daran, das alles hinzubekommen und nicht schon vor Beginn der Berufstätigkeit alles hinzuwerfen, aber so langsam verliere ich die Hoffnung, dass das klappen kann. Ich hätte jetzt meinen Abschluss machen können, zweifle jedoch momentan so stark an meinen Fähigkeiten, dass ich das erstmal um ein Semester aufgeschoben habe (ich hoffe wirklich, dass das keiner liest, den ich kenne). Und jetzt sollte ich mir ein Praktikum suchen, um ein bisschen Berufserfahrung zu sammeln. Andernfalls hätte ich wohl auch eher unrealistische Chancen, jemals einen Arbeitsplatz zu finden.

Da es mir allerdings vor dem Büroalltag graust, und ich schon bei dem Gedanken daran, irgendetwas aus dem Stegreif heraus entwerfen zu müssen, ganz anders wird (auch weil ich das in der Form noch nie so gemacht habe), kann ich mir nicht vorstellen, wie ich das schaffen soll. Meine Vorstellung davon ist momentan ungefähr folgendermaßen: ein Unglück jagt das nächste, so dass ich von niemandem mehr ernstgenommen werde und sich jeder wundert, wie ich überhaupt so weit kommen konnte.

Es ist mir klar, dass meine Sicht der Dinge auch etwas :roll: pessimistisch ist und man eher über all die Chancen nachdenken könnte, die sich einem stellen. Aber ich bin gerade in so einem Loch, was dieses Thema angeht, dass ich vielleicht auch den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe.
Daher hoffe ich, dass ihr einen Tipp für mich habt, wie ich das Ganze angehen kann. Das wäre wirklich toll.

Viele Grüße,
Judith
carmen
Beiträge: 558
Hallo Judith,

du sagst, dein Studium hätte dir im Großen und Ganzen schon sehr gefallen; was daran fandest du denn gut? Was hat dir daran Spaß gemacht?

Insgesamt klingt das tatsächlich sehr pessimistisch. Allerdings hast du auch einen Bachelor geschafft und bist zum Master zugelassen — so schlimm kann also alles wohl kaum sein. Deshalb denke ich, du solltest erst mal an deiner fehlenden Selbstsicherheit arbeiten, bevor du einen Ausweg suchst. Ohne Selbstsicherheit tust du dich nämlich überall schwer.

Also vielleicht machst du dir mal deutlich, was du denn gut kannst (im Studium und auch außerhalb!), und überlegst dir, was dich besonders macht, in welchen Situationen du vielleicht kreativer bist als andere, auf was du stolz bist, usw.

Und um deine Unsicherheit bezüglich Zeichnen und Modellbau niederzulegen: Beides kann man lernen! Auch während des Masterstudiums. Mach einen oder mehrere Zeichenkurse (du wirst staunen, wie schnell du Forschritte machst!) und während der Ferien ein Praktikum beim Modellbauer.

All das kann dir nicht schaden… selbst dann nicht, falls du letztendlich doch feststellen solltest, dass dir ein anderer Beruf doch mehr Spaß macht.

Viel Erfolg!

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Blacksmith
Beiträge: 3367
Ja, dir hätte sicher der Umweg über ein oder zwei Jahre Beruf/Praktika gut getan, bevor der Master kommt. Master ist eben nicht Bachelor und läuft auch anders.

Neben der schwindenden Selbstsicherheit, hast du so auch den Spaß an der Sache verloren, ist auch verständlich, das geht allen anderen auch nicht anders wenn die Erfolge ausbleiben.
Und Erfolg kann auch Zufriedenheit sein.

Von mir daher die Idee, mach Pause mit dem Master, und geh "back to the roots". Versuche, wie Carmen schon sagte, wieder den Spaß zu finden.
Nimm dir nen Jahr Auszeit vom Studium und mach Praktika oder kleine freiberufliche Jobs. Unterhalte dich mit "Kunden" und fachfremden Menschen, dann wirst du auch schnell feststellen das du ja "doch was kannst". Und hinterfrage dich und deine Wünsche! Geh also nicht zum erstbesten Praktikum, sondern überlege dir was du willst, was dir Spaß macht , was du brauchst, was dir hilft.
Dann: Netzwerke! Tausch dich aus, triff Gleichgesinnte, macht Projekte zusammen. Wachse daran.

Und wenn du dann "gereift" bist, mach nochmal ein oder zwei Masterprojekte bevor es an die Abschlussarbeit geht.

Da du ja anscheinend direkt von der Schule, durch den BA in den Master bist, fehlt dir einfach eine ganz entscheidende Entwicklung, die andere vielleicht besser Kompensieren können oder evtl. auch erst später auf die Klappe fliegen. Sehe das aber nicht als Nachteil, sondern verwandel es in ein Vorteil!Du wirst also auch noch nicht so alt sein, nutze also die Zeit.

Erste Schritte - hiermit fängt alles an.

weißes_rauschen
Beiträge: 2
Stimmt, mir ist der Spaß an der Sache abhanden gekommen. Ziemlich schlecht für einen Designer....
Vielleicht werden aus dem einen Praktikum ja doch auch zwei, etc. Und stimmt, an ein Modellbaupraktikum hatte ich noch nie gedacht, wäre aber auch eine Idee.
Mir ist auch der "rote Faden" verloren gegangen, da es natürlich schon Bereiche gibt, die mich mehr interessieren als andere. Nach dem Bachelor hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mir während des Masters mehr Fähigkeiten in diesem Bereich anzueignen. Leider hab ich das nicht konsequent weiter verfolgt.
Werde jetzt erstmal gründlich über alles nachdenken und dann konkret entscheiden, wie es weitergehen soll.

Ihr habt mir wirklich weitergeholfen, danke!
paganini
Beiträge: 24
Oh je, was du beschreibst, kann ich sehr gut verstehen. Es hat mich knapp 29 Jahre gekostet. Kein eigenes Zutrauen und eine ausgeprägte Schüchternheit. Da geht sehr viel den Bach runter.

Was ich Dir jedoch raten kann ist, wirklich zu versuchen, mit einer gewissen Konsequenz sich autodidakt Dinge anzuzeignen, auch derartige, die Dich nicht interessieren. Wenn man einmal bisschen in der Materie steckt, auch wenns anfänglich schwe fällt, wirst du später bestimmt bemerken, dass Wissen und Fertigkeit eine Form von Besitz ist.

Und das Zutrauen zu finden ist sehr schwer. Einerseits, weil heut zu tage, die Erwartungen doch hoch gekoppelt sind. Man lebt sozusagen in einem permanenten Vergleich zu anderen. Das geht schon bei der Erstellung einer eigenen Mappe los. Weil Unsicherheit herrscht. Dabei vergessen viele eben, dass die Arbeit oft eine eigene Repräsentation darstellt. Vergleiche und Erwartungen stehen dabei im Wege und sorgen oft für Unmut. In deinem Fall natürlich im Zusammenhang mit der Arbeit und dem Masterstudium. Das du überhaupt erstmal so weit gekommen bist, ist doch schon mal sehr gut und vor allem auch sehr wertvoll. Andere kommen gar nicht soweit! (Ich zB) :P.

Die Idee mit dem Praktikum finde ich sehr gut. Und das was du eigentlich kritisiert hast - das Arbeiten an eigenen Projekten, ist schlussletztlich gar nicht so schlecht. So MUSST du lernen, Zutrauen zu finden. Und das ist in deinem Fall auch eine Art von Förderung. Autonomes Arbeiten kann schwer sein, vor allem, wenn man von der Persönlichkeit her etwas unsicher ist (Ich rede jetzt von mir).

Das der ganze Druck und die Orientierungslosigkeit natürlich alles kaputt macht ist klar. Da ist der rote Faden weg.

Finde die Idee mit der Pause sehr gut. Sammel Dich und nimm vllt erstmal bisschen Abstand, damit neue Energien und Synergien entstehen können.

viel Glück!

lg

paga

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