Auftrags- und Schularbeiten in der Mappe

Immer wieder hört man in Mappen- und Studienberatungen, dass man keine Schularbeiten in die Mappe tun soll. Dasselbe gilt für Arbeiten aus der Ausbildung oder Aufträge aus dem bereits ausgeübten Designerberuf.

Dafür gibt es einige gute Gründe – es gibt aber auch Ausnahmefälle.

Warum nicht? Aktualität.

Als ersten und allerwichtigsten Grund ist zu nennen, dass Mappenarbeiten so aktuell wie möglich sein sollten. Die Kommissionen möchten dich über deine Vorgehensweisen, deine Bilder, deine Interessen und deine Blickwinkel kennenlernen. Besonders in dem Alter, wo man aus der Schule kommt verändert man sich häufig charakterlich noch. Aus dieser Altersspanne kommt ein beachtlicher Anteil der BewerberInnen. Die Arbeiten von vor mehreren Jahren spiegeln die jetzigen Eigenschaften eher nicht gut wider.

Warum nicht? Selbstständigkeit.

Für Schul- und Ausbildungsarbeiten gilt in den meisten Fällen: Der Lehrende hat eine bestimmte Aufgabe gestellt, häufig auch die Werkzeugwahl, und arbeitet einen vorgegebenen Lehrplan ab. Dieser lässt eher wenige Abweichungen zu. Außerdem wird die gestellte Aufgabe nicht nur von dem “Bewerber-Schüler”, sondern auch von allen Klassenkameraden und jedem Schüler dieser Jahrgangsstufe auf Landes- oder sogar Bundesebene bearbeitet. So kommt es auch, dass bestimmte Motive und Themen den Professoren durchaus als Schulthemen bekannt sind, oder sie bekommen deutschlandweit hundertfach ähnliche Arbeiten vorgelegt. Ein Herausstechen aus der Masse und der Eindruck eigenständiger Arbeitsweise ist hier nicht mehr möglich.

In der Mappe ist wichtig, dass eigene Ideen, Interessen, Meinungen, Blickwinkel, Techniken, eigenständig gewählte Ausarbeitungsformen und Herangehensweisen den Professoren ein Bild des Bewerbers liefern können. Bei Arbeiten aus der Schule und Ausbildung sind Grundidee, Kreativität, eventuell das Motiv, das Herstellungswerkzeug oder auch z. B. die Zeichentechnik oder die Materialien vorgegeben und kommen nicht eigenständig von den SchülerInnen oder Auszubildenden.

Warum nicht? Weiterführendes Arbeiten.

Die Abgabe einer prüfungsrelevanten Schul- oder Ausbildungsarbeit, aber auch die einer Auftragsarbeit beschränkt den Bearbeitungszeitraum. Das Bild ist geprüft, das Logo bezahlt, weiter geht es mit der nächsten Aufgabe. Viele haben nicht die Lust oder die Zeit, ihre vorgegebenen Arbeiten so weiter zu bearbeiten und weiter zu entwickeln, dass sie zu eigenständigen Werken werden.

Mappenarbeiten werden aus eigenem Willen mit den selbst gewählten Techniken hergestellt und häufig auch weiter bearbeitet. Es wird nicht immer die erste Variante abgegeben. Aber diese Korrekturen und Entwicklungen kommen aus einem selbst und nicht, weil ein Kunde die Schrift kursiv und bold und in Arial haben möchte oder ein Lehrer dann kein “sehr gut” mehr vergeben kann, weil die Regeln nicht ganz eingehalten wurden.

Warum doch? Eigeninitiative.

Ist die eigentlich vorgeschriebene Arbeit sehr gelungen und aus eigenem Antrieb mehr geworden als ursprünglich verlangt wurde? Gibt es eine Arbeitsprozessvisualisierung oder sogar eine Weiterentwicklung und repräsentiert sie wahrheitsgemäß die Interessen und Persönlichkeit des Bewerbers? Dann kann sie natürlich trotzdem gerne in die Mappe.

Die Professoren, die Schularbeiten in den Mappen unter diesen Kriterien durchaus akzeptieren, möchten diese trotzdem gerne als Auftragsarbeit gekennzeichnet haben.

Ein letztes Bitte Nicht.

Manchmal ist es reizvoll, halbwegs gute Schul- und Auftragsarbeiten als reine Lückenfüller in die Mappe zu zun. Dann hat man ja immerhin die verlangte Anzahl der Arbeiten abgegeben.

Die Konkurrenz ist hoch. Die schlechteste Arbeit ist häufig das Maß, an dem man gemessen wird – mittelmäßige und auch noch Schularbeiten ziehen die Mappe runter. Außerdem zählt niemand die exakte Anzahl der Mappenbilder. Keiner fliegt raus, wenn er 45 statt 60 Arbeiten abgegeben hat. So lange nicht deutlich zu wenige Arbeiten vorhanden sind und die Qualität hoch ist entstehen keine Nachteile.

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