Wandel und Wert von Design (Teil 1)

Ein Interview mit Achim Schaffrinna

Die Welt des Designs hat sich für Konsumenten und für Gestalter selbst in den letzten Jahren stark gewandelt. Hauptaspekte dafür sind die Digitalisierung und die sich dadurch entwickelnde Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft. Doch was hat das für Auswirkungen auf die Designwelt und wie können wir Designer damit umgehen? Wir haben uns mit Achim Schaffrinna, Designer und Autor von designtagebuch.de, über diese und weitere aktuelle Entwicklungen unterhalten.

Schaffrinna legt seinen Schwerpunkt nach dem Studium und verschiedenen Arbeitserfahrungen auf digitale Medien, die unsere Zukunft klar bestimmen. Keinesfalls an Wert abnehmen wird dabei aber die klassische Gestaltung von Logos. „Zur Zeit setzen große Marken stark auf Vereinfachung. Dies ist allerdings kein neuer Trend, das gab es auch schon vor zehn, zwanzig Jahren.“ Er denkt dabei zum Beispiel an Triumph, den Wäschehersteller, der einst eine ganz ausdrucksstarke Logoform hin zu etwas sehr Generischem verändert hat. Oder gelbe Seiten, die damals ein eigenes Logo hatten, lassen nun allein die Farbe für ihre Marke wirken. „Das sind Prozesse, die große Unternehmen wie VW, Continental oder Allianz schon längst hinter sich haben. Das heißt, ein Unternehmen wandelt sich aus spezifischen Gründen und das Logo verdeutlicht diesen Wandel nach außen — sei es über die Farbe, Typografie oder ganz andere Faktoren.“

Beobachtet man die Entwicklung der Form, Farbe und Materialität im dreidimensionalen Bereich, scheint diese ebenfalls dem Hang zur Vereinfachung nachzugehen. Unser Gesprächspartner schaut sich als Kommunikationsdesigner nicht nur Produktdesignlösungen an, sondern nutzt sie tagtäglich — so wie jeder Teilnehmer unserer Gesellschaft. Er jedoch ist froh, dass es nicht nur eine Entwicklungsrichtung der Formgebung gibt.  „Wenn alles gleich wäre, wäre die Welt doch fade. Was für mich Design ausmacht, ist die Entwicklung in viele Richtungen. Aber dennoch treten diejenigen Produkte in den Vordergrund, die einen starken Vereinfachungsgrad und dennoch eine hohe Funktionalität aufweisen. Das ist unter den Designklassikern sowie bei modernen Produkten heute so.“

 

Die vernetzte Welt im Design

Die digitale Welt hat die Gesellschaft nahezu einmal auf den Kopf gestellt —  zum einen sind dadurch große Vorteile zu sehen, gleichzeitig ergeben sich aber auch Problematiken. Schaffrinna nennt das Beispiel der Recherche: Während man früher aufwendige Fachliteratur in einer Bibliothek durchstöbern musste, gibt es heute das gleiche Ergebnis mit wenigen Klicks.
„Eigentlich ist das eine positive Entwicklung, denn so lässt sich effektiver arbeiten. Ob dabei aber etwas Besseres herauskommt, das ist eine ganz andere Frage.“

 

Wir sind vielseitig global vernetzt. Wenn am anderen Ende der Welt ein großes Unternehmen ein Logo kreiert, dann kommt dieses auf deutschen Blogs an. Es gibt genialen Mittel der globalen Vernetzung, wir müssen allerdings lernen, mit ihnen umzugehen. Das allgemeine Vernetzt-Sein über verschiedenste Portale gehört heute im Berufs- und Lebensalltag in fast allen Branchen dazu. Designer und ihre Arbeit werden dadurch besonders geprägt. „Anspruchsvoll ist diese Arbeit allemal“, meint Schaffrinna, „wir haben einen Überfluss an nahezu allem, es geht nur noch darum, aus diesem Überfluss herauszuragen, und das ist die größte Herausforderung.“ Klingt nach einer schwierigen Aufgabe, daraus können sich jedoch für Gestalter auch neue Chancen der Zusammenarbeit und des selbstständigen Arbeitens ergeben. Wen kümmert es, ob der Skype-Gesprächspartner eines Projektes im nächsten Wohnblock, in Berlin oder New York sitzt?

 

 

Im zweiten Teil des Interviews widmen wir uns der Frage Machen denn alle nur noch die gleichen Dinge? und damit, welchen Wert Design in unserer Gesellschaft hat oder haben kann.

 

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