Hochschulrankings - wie hilfreich sind sie?

Studienwunsch: Design. So viel steht fest.
Doch kaum ist die Wahl des Studienfachs getroffen, stellt sich die Frage nach dem »Wo?«. In welcher Stadt möchte ich studieren? Welche Hochschule ist (für mich) die beste? Fragen, die gerade im Designbereich wichtig aber oft schwer zu beantworten sind. Denn einerseits stehen dem Bewerber dank nicht vorhandenem NC eigentlich alle Türen offen (Voraussetzung ist hier nämlich statt der Abiturergebnisse eine künstlerische Eignungsprüfung), andererseits kann die Hochschulvielfalt schnell zu Überforderung und Ratlosigkeit führen. Was also tun, wenn man sich nicht zwischen den zahlreichen Studienangeboten entscheiden kann?
Ein beliebtes Auswahlkriterium ist die Lage der Hochschule. Während die einen sich auf Hochschulen in der Nähe ihres Wohnortes konzentrieren, zielen die anderen auf das Gegenteil ab, nämlich auf Hochschulen mit größtmöglicher Distanz zur Heimat. Wieder andere wollten sowieso schon immer mal in Hamburg oder Berlin leben, da würde sich ein Studium in ihrer Lieblingsstadt ja anbieten.
Und wem die Lage der Hochschule egal ist, der wirft die Suchmaschinen an und durchforstet das Internet nach Hochschulrankings. Wer würde schließlich nicht gerne von sich behaupten können, an der besten Hochschule Deutschlands zu studieren?

Das mit den Hochschulrankings ist allerdings so eine Sache. Populär geworden in den USA und seit den 1990er Jahren auch in Deutschland etabliert, sollen die von verschiedenen Institutionen erstellten Listen (z.B. von Spiegel, Focus oder FAZ) Qualität und Lehre an Hochschulen anhand verschiedener Kriterien bewerten. Doch wie schafft man es, ein objektives Hochschulranking zu erstellen? Welche Möglichkeiten gibt es, ein solch umfangreiches Angebot der verschiedenen Studiengänge neutral miteinander zu vergleichen? Denn gerade kreative Studiengänge sind doch durch ihre unterschiedlichen Strukturen, Ausrichtungen und Kompetenzen geprägt. Dieser Problematik sah sich im Jahr 2006 auch der Focus gegenüber und lud führende Kreative nach München ein, die in einer Expertenrunde Methodik und Vorgehen für ihr Ranking festlegen sollten. Dabei wurden die verschiedenen Studiengänge in die Gruppen Kommunikation, Bewegte Medien, Produkt und Freie Kunst unterteilt und Fragebögen erstellt, die auf die vier Cluster zugeschnitten waren. Diese Fragebögen, die von Professoren und Agenturen ausgefüllt wurden, bildeten zusammen mit Eigenangaben der Ausbildungsstätten zur Studiensituation vor Ort die Basis des Rankings. Interessanterweise wurde von einem Ranking innerhalb des Clusters »Freie Kunst« aufgrund schlechter Vergleichbarkeit abgesehen.
Nicht nur eine mangelnde Vergleichbarkeit der Rankings ist problematisch, auch die Fachlichkeit der rankenden Redakteure wirft Fragen auf, denn nicht alle Rankings basieren wie im Beispiel des Focus auf dem Urteil einer Fachjury. Und selbst dort stellt man sich zwangsläufig die Frage, wie unvoreingenommen solch eine Jury ist? Gibt es eigene Interessen, die verfolgt werden? Gibt es Kontakte zu Schulen, die am Ranking teilnehmen? (Das Focus-Ranking, das eine verhältnismäßig umfassende Auflistung der Hochschulen bietet, ist allerdings nicht mehr im Internet zu finden.)

Eine weitere Möglichkeit des Vergleichs (neben der oben angeführten Datenerfassung durch Fragebögen) bieten Wettbewerbe, im Designbereich beispielsweise solche vom Art Director‘s Club und dem Red Dot Institute, an denen sich unter Anderem auch Hochschulen und deren Studenten beteiligen. Und wenn man schon, so dachte man sich wohl, die Wettbwerbsergebnisse verschiedener Hochschulen vorliegen hat, warum nicht ein Ranking daraus machen? So kann man also die Rankings des ADCs, in dessen Wertung die Ergebnisse des Nachwuchswettbewerbs der letzten drei Jahre einfließen, auf deren Homepage anschauen. Und auch das Red Dot Institute veröffentlicht auf Basis seiner Wettbewerbsergebnisse jedes Jahr ein Ranking europäischer und amerikanischer Hochschulen. Auffällig ist, dass dort jährlich neue Hochschulen an der Spitze stehen. Ist also die Spitzenhochschule des Vorjahres im darauffolgenden Jahr plötzlich weniger gut, weil sie nicht mehr auf der Liste steht? Und was ist eigentlich mit all den Hochschulen, die nie an Wettbewerben teilgenommen und folglich nie einen Listenplatz hatten? Und macht es überhaupt Sinn, amerikanische Schulen mit deutschen Schulen zu vergleichen? Denn schließlich gibt es interkontinental nochmals mehr Unterschiede als sowieso schon innerhalb des eigenen Landes. Ein Beispiel hierfür sind die hohen amerikanischen Studiengebühren, die in keiner Relation zum kleinen Semesterbeitrag in Deutschland stehen.
Zugegeben, Hochschulrankings haben es nicht leicht.

Eine

  • schlechte Vergleichbarkeit der Fächer,
  • fehlende Objektivität,
  • kaum Individualität für den Bewerber und
  • prinzipielle Probleme statistischer Erhebungen (geringe Rücklaufquoten, leicht verfälschbare Online-Umfragen)

machen ihnen das Leben schwer.


Aber was kann der Bewerber stattdessen tun, um für sich selbst die beste Hochschule zu finden?
Zuallererst einmal sollte man klären, was für einen selbst wichtig ist. Was erhoffe ich mir von meinem Studium? Was sind meine Ziele? Alle Hochschulen sind grundverschiedenen in ihren Ansichten, ihren Strukturen und in dem was und wie sie unterrichten. Die Unterschiede beginnen schon bei der Größe der Hochschule: Manche sind mit einer handvoll Studenten pro Studiengang sehr klein, andere mit mehreren hundert eher groß. Manche sind mit einem interdisziplinären, frei wählbaren Kurssystem freier als solche mit einem festen Stundenplan. Manche Hochschulen nehmen häufig an Wettbewerben teil, andere gar nicht. Manche legen viel Wert auf einen praxisorientierten Unterricht, weniger auf theoretischen, bei anderen halten sich Theorie und Praxis die Waage. Wo liegt der Fokus? Arbeitet die Hochschule konzeptionell oder praktisch? Wer entscheidet, was besser und was schlechter ist? Und machen nicht all diese Fragen die Problematik von Hochschulrankings nochmals überdeutlich?
Denn Fakt ist: Letztendlich muss der Bewerber individuell entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Bei den oben genannten Punkten kann man nicht pauschaul entscheiden, was besser oder schlechter ist. Es sind Punkte, die man gegeneinander abwägen muss. Für sich selbst, individuell nach eigenen Interessen und Stärken. Und diese Individualität kann ein Ranking, das sich auf starre Fakten (z.B. Ausstattung, gewonnene Preise etc.) bezieht, nicht leisten.
Optimal ist es deshalb, sich die Hochschulen persönlich anzuschauen, an Informationsveranstaltungen beispielsweise oder zu den Semesterausstellungen. So hat man die Chance mit Professoren und Studenten ins Gespräch zu kommen, sich über die Ausstattung der Hochschule zu informieren und herauszufinden, wofür die Hochschule steht und ob ihre Lehrmethoden und Konzepte mit den eigenen Wünschen übereinstimmen. Semesterausstellungen bieten außerdem die Möglichkeit, sich die Arbeiten der Studenten anzuschauen. Dies ist bei der Wahl der Hochschule besonders wichtig, fast schon unerlässlich, denn nur so kann man herausfinden, ob man sich damit identifizieren kann, ob es das ist, was man später auch machen möchte, oder ob man doch andere Vorstellung für seine eigene künstlerische Zukunft hat. Was sagt schließlich mehr über eine Hochschule aus als die Persönlichkeiten, die sie hervorbringt?
Ist ein persönlicher Besuch aus verschiedenen Gründen nicht möglich, ist es sinnvoll, sich die Arbeiten der Studenten auf der Homepage der Hochschule anzuschauen. Meist findet man auf der Webseite außerdem Informationen zu Studienmodellen und -angeboten, den Werkstätten und Lehrenden, und manchmal sogar auch Informationen zur Stadt. Prinzipiell ist es außerdem immer ratsam, sich vorab schon einmal über die Professoren der Hochschule zu informieren, darüber woher sie kommen, was sie machen, in welchen Agenturen sie arbeiten etc. Denn auch auf diese Weise findet man schnell heraus, ob die Hochschule die richtige ist. Möchte man beispielsweise Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration studieren, die Hochschule hat aber statt eines Professoren für Illustration einen mit Schwerpunkt für Werbung oder Typografie, wird man dort wahrscheinlich nicht glücklich werden.
Wer von Zuhause aus gerne eine persönlicheres Bild von den Hochschulen hätte als das ihrer Websites, könnte Foren nutzen, mit der Studienvertretung der jeweiligen Hochschule in Kontakt treten oder sich auf den Hochschulseiten der sozialen Netzwerke umzuschauen. So kommt man auch ohne persönliches Gespräch mit den Studenten schnell an Insider-Informationen und lernt die Vor- und Nachteile der Uni kennen.

Somit wäre nun auch das Rätsel um die ominöse beste Hochschule gelüftet, von der hier so oft die Rede ist: Es gibt sie nicht. Oder vielleicht doch. Aber nicht für alle gleich, sondern individuell verschieden.

Um sie zu finden, sollte man deshalb auf:

  • seine eigenen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen,
  • auf die ausgestellten Arbeiten der Hochschule,
  • ein bisschen aufs Bauchgefühl und
  • nicht zu sehr auf Wettberwerbs- und Rankingergebnisse

achten. Damit sollte die Hochschulwahl definitiv leichter fallen.

 

Hochschulen zu vergleichen ist also absolut sinnvoll bei der Suche nach der richtigen – nur eben nicht mithilfe von Rankings. Ein universelles Hochschulranking für kreative Studiengänge zu erstellen, ist nahezu unmöglich. Dazu sind die Bedürfnisse der einzelnen Bewerber und die Angebote der Hochschulen schlichtweg zu individuell. Und selbst wenn man nun – nur mal rein theoretisch – an der allerbesten Hochschule der Welt angenommen worden wäre, wäre man so enttäuscht, wenn man während des Studiums feststellen müsste, dass Lehrmethoden und Atmosphäre nicht zum eigenen Charakter oder den Ansprüchen ans Studium passen. Darunter würden dann auch die Ergebnisse der Semesterarbeiten leiden. Und letztendlich ist es doch das, was zählt: ein gutes Portfolio, mit dem man selbst zufrieden ist. Und das, was man aus seinem Studium gemacht hat. Ganz egal ob nun in Hamburg, Berlin oder eben doch an der kleinsten, unbekanntesten Hochschule Deutschlands.

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