Erste Schritte

Die Mappe - Studium vor dem Studium Teil 1

Wer sich um einen Studienplatz im kreativen Bereich bewirbt, kommt an ihr nicht vorbei. Sie ist Voraussetzung für die Zulassung zum Studium und hilft den Professoren bei der Entscheidung, wer nun einen der begehrten Studienplätze bekommt und wer nicht. Die Rede ist natürlich von der Bewerbungsmappe. Diese enthält in der Regel zwischen zehn und zwanzig (manchmal sogar auch bis zu vierzig) selbstangefertigte Arbeiten (sprich Reihen, Serien, Einzelarbeiten) des Bewerbers und soll Aufschluss über dessen künstlerische Eignung geben. 
Während sich der ein oder andere dabei erwischt, wie er im Internet nach Hochschulen sucht, die keine Mappe als Zulassung zum Studium verlangen, um der Erstellung einer solchen zu entgehen, versuchen sich andere mutig an der Herstellung einer Mappe, oftmals allerdings ohne genau zu wissen, was da nun eigentlich von ihnen verlangt wird. Und spätestens dann, wenn die stundenlange Internetrecherche nach „mappenfreien“ Hochschulen erfolglos bleibt und die zuvor motivierten Bewerber entnervt die Pinsel zur Seite legen und sich der Papierkorb mehr und mehr mit unbrauchbaren Entwürfen füllt, stellt sich bei vielen die Frage nach dem Sinn einer Mappe
Von vielen Bewerbern und wenigen Studienplätzen ist dann die Rede, von notwendiger Selektion und Feststellung der künstlerischen Eignung, und dies ist auch durchaus richtig, wenn man bedenkt, dass auf einen Studienplatz drei bis zehn Bewerber kommen. Den Professoren hilft die Mappe also, um festzustellen, wem sie einen Studienplatz geben möchten, schön und gut. Aber inwiefern hilft die Erstellung einer Mappe dem Bewerber selbst?

Auf den ersten Blick würde man wohl sagen, dass das Arbeiten für die Mappe mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist und auch einige Rückschläge und Frust beinhaltet, was zunächst einmal nicht sehr motivierend klingt. Wagt man aber einen zweiten Blick und arbeitet man eine Zeitlang konsequent an seiner Mappe, kann man die Mappenerstellung schnell als eine Art Studium vor dem Studium begreifen.

Wozu ist die Mappe gut?

Zunächst einmal kann erwähnt werden, dass die Erstellung einer Mappe wohl der effektivste Weg ist, herauszufinden, ob der angestrebte Studiengang der richtige für einen selbst ist. Nicht selten stellen sich junge Erwachsene nach ihrem Abschluss die Frage, was genau sie eigentlich später machen wollen. Einige legen sich schnell auf einen bestimmten Studiengang fest, anderen fällt die Wahl durchaus schwerer, viele sind sich unschlüssig, zweifeln an ihrer Wahl. In diesen Fällen hilft die Erstellung einer Mappe, denn durch sie bekommt man einen Ansporn, praktisch zu arbeiten, von der ersten Idee über Skizzen und Entwürfen bis hin zur fertigen Arbeit. Dabei erhält man dann automatisch Antworten auf die Fragen: Liegt mir ein Studium im kreativen Bereich? Habe ich Spaß daran, kreativ zu sein, mir Konzepte zu überlegen, unkonventionelle Wege zu gehen? Wer große Probleme bei der Erstellung einer Mappe hat, wird seinen Studienwunsch gegebenenfalls nochmals hinterfragen. 

Darüber hinaus bietet das Arbeiten an der Mappe natürlich die Möglichkeit, viele verschiedene Techniken auszuprobieren. Da man in der Gestaltung seiner Mappe frei ist, kann man sich unterschiedlichen Medien widmen, mit Zeichnungen, Fotografien, Collagen, Filmen arbeiten. Im Grunde genommen ist die Mappenerstellung ein Spielplatz, der dazu einlädt unter Anderem neue Medien auszuprobieren und zu zeigen, dass man breit gefächerte Interessen im kreativen Bereich hat. An dieser Stelle lässt sich schon einmal erwähnen, dass bei der Bewertung der Mappe oftmals keine perfekten Arbeiten erwartet werden sondern solche, die den Entstehungsprozess der Arbeit ersichtlich machen und die zeigen, dass der Bewerber sich intensiv mit einem Thema oder verschiedenen Techniken auseinandergesetzt hat.

Parallelen zum Studium

Abgesehen von diesen beiden Aspekten, Festigung des Studienwunsches und das Auseinandersetzen mit verschiedenen Techniken, hat die Erstellung einer Mappe außerdem einige wichtige Parallelen zum Studium. 
Durch das Arbeiten an der Mappe wird man vertraut mit einer Arbeitsweise, die auch im Studium gängig ist. Diese Arbeitsweise ist im Vergleich zur Schule oder auch zu anderen Studiengängen weniger akademisch und nicht so schulisch. Man arbeitet häufig eigenverantwortlich und autodidaktisch an Projekten, muss sich einiges selbst erschließen. Häufig hilft es da, wenn man offen für Neues ist und sich experimentell dem Thema, dem Projekt oder der Fragestellung nähert. Häufig suchen sich Bewerber für ihre Mappen außerdem einen roten Faden, ein Thema also, auf das sie dann ihre Arbeiten beziehen. Aber wohin führt dieser rote Faden und welchen Zusammenhang gibt es zwischen ihm und dem Studium? Welche zusätzlichen Gemein-
samkeiten bestehen zwischen Mappe und Studium? Und was sagen eigentlich die Professoren zur Bewerbungsprozedur? 

Die Antworten darauf und viel anderes Wissenswertes rund um die Mappe folgt im nächsten Teil.

Neuen Kommentar schreiben

Friends

  • Art Directors Club
  • Designdidaktik
  • Designkritik
  • Designspotter
  • designweeks.net