Erste Schritte

Die Eignungsprüfung, Hürde oder Horror?

Jeder von euch, der ein Design-Studium antreten möchte, muss neben der Mappe eine besondere Hürde nehmen: die Eignungsprüfung. Oft reicht schon das Wort „Prüfung“ aus, um bei dem ein oder anderen Schweißausbrüche zu verursachen, aber gerade im kreativen Bereich ist die Eignungsprüfung nicht vermeidbar – sondern sinnvoll. Zum einen sind die Studienplätze begrenzt und zum anderen sollen die Bewerber zur Hochschule passen. Keiner möchte euch schikanieren oder schlecht machen. Um euch mental für die Prüfungssituation zu stärken, gibt es hier einige Infos und Tipps von (ehemaligen) Studenten, die genau solche Prüfungssituationen bereits gemeistert haben.

Design-Hochschulen gestalten ihre Eignungsprüfungen unterschiedlich und können deshalb verschiedene Vorgaben haben. Aus diesem Grunde solltet ihr euch vor der Bewerbung auf der jeweiligen Homepage genau informieren, damit ihr wisst, was ihr vorbereiten und zur Prüfung mitbringen müsst. Zum Eignungstest braucht ihr eure Mappe. Diese müsst ihr mitbringen oder im Vorfeld an der Hochschule eingereicht haben. Diese besteht aus einer Reihe selbst angefertigter Arbeiten. Bei manchen Hochschulen wird in den Info-Unterlagen auch die Mindest- oder Maximalanzahl oder auch Größen der einzureichenden Arbeiten angegeben. Es ist sehr wichtig, dass ihr die Vorgaben beachtet. Hinzu kommt bei einigen Hochschulen außerdem eine Hausaufgabe, deren Thema euch einige Wochen vor Prüfungsbeginn per Post , E-Mail oder über die Webseite mitgeteilt wird. Behaltet euer Zeitmanagement im Auge, damit ihr die Hausaufgabe rechtzeitig fertig bekommt. In der Hausaufgabe müsst ihr eine Aufgabenstellung in einem bestimmten vorgegebenen Zeitraum lösen. In manchen Fällen habt ihr auch die Wahl zwischen zwei Aufgabenstellungen und könnt die Aufgabe, die euch besser liegt, bearbeiten. Bevor ihr mit der Ausarbeitung der Hausaufgabe startet, könnte es hilfreich sein eure Ideen und Gedanken aufzuschreiben, um auf diese Weise eine Übersicht und Struktur zu schaffen.

Checkt außerdem regelmäßig die Hochschul-Homepage, weil sich Prüfungstermine ändern können. Solltet ihr euch trotzdem unsicher sein, könnt ihr euch sonst telefonisch oder per E-Mail im Studierendensekretariat des Fachbereiches informieren. Über die Homepage könnt ihr auch erfahren, welche Schwerpunkte eure Wunsch-Hochschule anbietet: Ein Blick in die Prüfungsordnung des Fachbereiches kann sehr hilfreich sein, denn dort könnt ihr euch einen Übersicht über Prüfungen und Modulinhalte zu verschaffen. 
Wenn ihr euch für ein Design-Studium bewerbt, wäre es sinnvoll, dass ihr euch intensiv mit dem Themenfeld Design beschäftigt. Geht mit offenen Augen durch die Welt, erkundet andere Städte, schaut euch aktuelle Kunstausstellungen an und erfasst eure Eindrücke in einem Notizbuch. So vergesst ihr eure Gedanken und Ideen nicht, und könnt diese nachher bei Bedarf in dem Eignungstest abrufen. 

Generell wäre es ratsam sich mit wichtigen Designern des jeweiligen Studienschwerpunktes zu befassen und dessen Projekten zu studieren, weil ihr euch schließlich sehr für Design interessiert! Auch typografische Kenntnisse könnten sinnvoll sein, wie Grafik-Studentin Sina von der Fh Bielefeld bestätigt:

Im Nachhinein wäre es für mich gut gewesen, mich vorab etwas mehr mit Typografie zu beschäftigen, da mir der Part der Prüfung doch schwerer fiel.

Außerdem könnte das Theoriewissen besonders für diejenigen unter euch relevant sein, die eine mündliche Prüfung absolvieren. Design-Absolventin Emma der HS Niederrhein (Schwerpunkt: Graphic, Editorial & Brand) bestätigte im Interview, wie wichtig Design-Kenntnisse sind:

Mein Prüfungsraum war eine kleine Druckwerkstatt in der Hochschule. In der Mitte des Raumes war ein Tisch, an dem zwei Professoren saßen. Ich legte meine Mappe auf den Tisch und die Professoren sahen sich meine Arbeiten an. Währenddessen haben sie ein paar Fragen gestellt, wie zum Beispiel warum ich Design studieren möchte. Nach 15 Minuten war alles vorbei und ich fuhr wieder nach Hause und wartete ca. 3 Wochen auf mein Ergebnis.

Emma gibt zu, dass sie zwar während des persönlichen Gespräches sehr nervös war, aber die Angst durch die Freundlichkeit der Professoren sehr schnell verflog. Wer sehr aufgeregt in das Gespräch geht, sollte nach ihrer Auffassung lieber langsam sprechen, um sich auf das Gesagte zu konzentrieren und nicht Unsinn zu reden. 

Wenn ihr die erste Hürde gemeistert habt und eure Mappe/Hausaufgabe die Professoren überzeugt hat, müsst ihr wahrscheinlich eine künstlerisch gestalterische Prüfung ablegen und/oder euch in einem persönlichen Gespräch mit eurer Mappe vor den Professoren behaupten. Wie bereits oben beschrieben, kann die Ausgestaltung der Eignungsprüfung variieren. Die Grafik-Studentin Julia aus Bielefeld beschreibt ihre Prüfung folgendermaßen:

Zunächst musste eine Mappe mit verschiedenen Arbeiten eingereicht werden, ein festes Thema gab es hierfür nicht. Zusätzlich wurde 2 Wochen vor Abgabe ein Thema für eine Hausarbeit bekanntgegeben, die zusammen mit der Mappe eingereicht wurde. Am Nachmittag der Mappenabgabe wurden die Studenten bekanntgegeben, die diese erste Hürde überstanden haben. Diese durften am nächsten Tag zur eigentlichen Eignungsprüfung antreten. Hierfür gab es 2 Aufgaben, die innerhalb von 4 Stunden auszuarbeiten waren. Es standen 6 Begriffe zur Auswahl, die erklärt werden sollten, einer grafisch und einer sprachlich / typografisch.


Eine künstlerisch gestalterische Eignungsprüfung ist nicht planbar, aber auch keine Matheklausur. Bezüglich des zeitlichen Rahmens fügt Julia außerdem noch hinzu:

Die Prüfung war mit reichlich Zeit bemessen und man durfte sich in der FH frei bewegen. Wenn man also mal das Gefühl hatte, dass gar nichts geht mehr, konnte man einfach 5 Minuten etwas ganz anderes machen, und sich dann ruhiger wieder der Aufgabe zuwenden. Während der Prüfung habe ich viel Zeit damit verbracht, mir Alternativen zu meinen ersten Ideen auszudenken, um dann letztlich doch die Anfangsideen umzusetzen. Hier sollte man sich einen Zeitplan machen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren und zum Schluss noch ausreichend Zeit für die endgültige Umsetzung zu haben. Ausgeschlafen zum Termin zu kommen, sich mit Süßigkeiten einzudecken und viel Wasser zu trinken, können auch nicht schaden.

An diesem Beispiel kann man auch gut erkennen, dass eine Design-Prüfung mit klassischen Schulprüfungen wenig zu tun hat. Oder durftet ihr während der Matheklausur mal frische Luft schnappen oder euch mit den anderen unterhalten? ;) Eignungsprüfungen vieler Hochschulen der vergangenen Jahre findet Ihr übrigens bei uns in der Eigungsprüfungsübersicht.

Fragt euch unbedingt vor der Bewerbung selbst, warumihr Design studieren möchtet, warum ihr euch genaufür diese Hochschule entschieden habt und warum ihr einen bestimmten Schwerpunkt gewählt habt. Um nicht die falsche Entscheidung zu treffen, solltet ihr euch vorher gut mit den Schwerpunkten auseinander setzen. Diese Situation ist nämlich Julia passiert:

Auf jeden Fall würde ich jedem Bewerber raten sich vorher hinreichend zu informieren! Ich selbst habe das nicht getan, sondern einfach drauf losgelegt. Am Ende hat es zwar gereicht, aber meine Mappe hätte viel besser werden können, hätte ich vorher mit einem Modeprofessor, oder Studenten geredet. Das ärgert mich heute noch ein wenig. Also sollte jeder Bewerber sich im Klaren darüber werden wofür er sich bewirbt und was die Anforderungen sind, nicht nur was die Mappe, sondern auch das Studium an sich angeht. Ich selbst habe nämlich nach wenigen Wochen den Schwerpunkt gewechselt, weil ich gemerkt habe, dass Mode nicht das Wahre für mich ist.

Um herausfinden, welche Schwerpunkte eine Hochschule anbietet, könnte der Blick in die Prüfungsordnung auf der Homepage hilfreich sein. Dort könnt ihr euch einen Überblick über Prüfungen und Modulinhalte zu verschaffen.

Nutzt die Erfahrungsberichte der Befragten nicht unbedingt als repräsentativen Querschnitt, sondern vielmehr als Einblick in die Eignungsprüfung an sich und nehmt euch die Tipps zu Herzen. Jeder von euch hat sicherlich eine andere Herangehensweise mit Stress umzugehen, aber dennoch darf an dieser Stelle gesagt werden, dass eine Designprüfung keine klassische Schulprüfung ist und der Druck daher unnötig ist. Ihr bekommt für die Bearbeitung der Aufgaben viel Zeit, ihr dürft euch während der Prüfungen mit den anderen Bewerbern unterhalten, etwas essen, den Raum verlassen oder was auch immer euch in den Sinn kommt. Es gibt daher keinen Grund in Panik zu geraten. Ein abschließendes Zitat der Grafik-Absolventin Inga aus Dortmund bringt es kurz und knapp auf den Punkt:

Prinzipiell denk ich, Kopfkino ausschalten, gut atmen und positiv motiviert sein ...
Alles halb so wild!


In diesem Sinne wünschen wir euch viel Erfolg!

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