Designer ist kein Beruf

"Designer ist kein Beruf, sondern eine Berufung"
Drei erfolgreiche Designer über die optimale Ausbildung, Anforderungen im Job und ihr tägliches Handwerkszeug von Andreas Obermann.
Johannes Becker hat seinen Traum verwirklicht. Er arbeitet seit Mai für das Designbüro Syzygy in Frankfurt am Main. Dafür hat er hart gearbeitet. Bachelor in Grafikdesign, Masterabschluss in Interfacedesign –Note „sehr gut“. Beides hat er an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim studiert. Dazwischen lag noch ein Auslandssemester in Melbourne.

"In Australien habe ich gelernt, wie schnell man eigentlich arbeiten kann. Dort haben wir in der gleichen Zeit dreimal soviel produziert", erklärt der 26-Jährige. Die Arbeitsintensität war Becker an seiner Hochschule zu gering. Deshalb hat er sich vor allem für seine letzten zwei Jahre einen Professor als Mentor gesucht, der ihn pusht, an seine Grenzen bringt. "In der Agentur muss ich ständig Entscheidungen treffen und diese begründen können", so Becker. Es reiche nicht aus, einmal in der Woche ein bisschen zu designen.

Vor allem der perfekte Umgang mit seinem täglichen Handwerkszeug wie Adobe Photoshop fehle ihm noch. Momentan ist der Jungdesigner 40 Stunden in der Woche für die Umsetzung von Wireframes für die Homepage eines großen Lebensmittelkonzerns zuständig. Dabei ginge es eben weniger um kreatives Denken, als um eine technisch saubere Umsetzung. Sein Arbeitgeber hat das erkannt und gönnt dem Designer einen professionellen Photoshopkurs, bei dem vor allem der Workflow optimiert werden soll.

Softwarekenntnisse sind essentiell
"Dass der Arbeitgeber noch Kurse anbieten, ist eher selten", erklärt Barbara Kotte, Professorin für Advertising Design an der HAWK Hildesheim. „Wir bieten zwar Softwarekurse für unsere Studenten an, diese bringen aber schon häufig Kenntnisse ins Studium mit, lehren es sich gegenseitig bei Gruppenarbeiten, oder nutzen die vielfältigen Angebote an Internettutorials.“ Sie habe noch keinen Absolventen getroffen, der mit der Software Probleme hätte. "Die Studenten sind mit dem Computer aufgewachsen, kennen sich schon mit verschiedenster Software aus". Dann sei es nur noch eine Kleinigkeit, sich in neue Programme einzuarbeiten. Das sei im Beruf später sowieso üblich und werde in Zukunft noch zunehmen.

Für Barbara Kotte ist die Hochschule eher ein Ort, um die Persönlichkeit und die konzeptionellen und gestalterischen Fähigkeiten auszuprägen. Die Studenten müssten die Schulmentalität ablegen und Eigeninitiative zeigen, Briefings hinterfragen und die Essenzen herausziehen. Im Anschluss daraus schlüssige Konsequenzen ziehen können. "Es geht nicht mehr darum, Hausaufgaben zu erledigen.“ Sie legt ihren Studenten immer nahe: "Eure letzte Agentur wird immer nur so gut sein, wie eure erste!" Vor allem ein facettenreiches Portfolio helfe, um später erfolgreich in eine Agentur einzusteigen.
Das merkte auch der 26-Jährige Becker. Er bewarb sich deutschlandweit bei zehn Agenturen, bekam mehrere positive Rückmeldungen und konnte sich für seine Lieblingsagentur entscheiden. "Nach meiner Abschlussnote hat mich kein Personalchef gefragt." Wichtiger seien seine Projekte gewesen, die er während seines Masterstudiums anfertigte. Syzygy stellte ihn aufgrund seiner speziellen Erfahrung im Bereich Interfacedesign ein, obwohl die Agentur einen Designer mit mehrjähriger Berufserfahrung suchte.

Im Gegensatz zu Becker, erlangte Tristan Schmitz schon während seines Studiums zum Diplomdesigner tiefgreifende Berufserfahrung. Er arbeitete bei seinem ehemaligen Professor Andreas Uebele und war dadurch an dem aktuellen Corporate Design des Deutschen Bundestages beteiligt. Von ihm lernte er auch das für ihn wichtigste: Eine gestalterische Haltung zu entwickeln.
"Das hat mir sehr geholfen. Ich durfte zu allen Meetings, konnte miterleben, wie unsere Arbeit begründet und verteidigt wurde - und das sogar vorm Bundestagspräsidenten", erklärt Schmitz. Der 28-Jährige ist mittlerweile Senior Designer bei der Agentur Chermayeff&Geismar in New York. Er kümmert sich um die
Durchführung von Corporate Designs, gestaltet Identitäten von Unternehmen.

"Normalerweise nehmen wir uns für ein Logo zwei Monate Zeit, im Falle des Bundestages war es ein Wettbewerb, der mehrere Monate andauerte". Das gefällt Schmitz. Er möchte kein schnelllebiges Design implementieren, das "bereits nach fünf Jahren veraltet ist. Das Zeichen soll im Idealfall 30 Jahre lang halten." So wie der gelbe Rahmen des Magazins National Geographic oder das Logo von Time Warner Cable, das die Gründungsmitglieder seiner Agentur entworfen haben – und die heute noch gültig sind.

 

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